Zum Thema „Innovation im digitalen Zeitalter“ öffnete die biostep GmbH am 10. Juni für einen Anwendungsworkshop der besonderen Art ihre Geschäftsräume. Die von der Innovationsallianz Arbeit und Digitalisierung (bestehend aus FhG IAO Stuttgart, Professur Arbeitswissenschaft und Innovationsmanagement der TU Chemnitz und ATB gGmbH) initiierte Veranstaltung führte Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft zu Inspiration und Austausch zusammen.

Gastgeber Heiko Mixtacki, Geschäftsführer der biostep GmbH, begann die Veranstaltung mit der Vorstellung der Planung und Realisierung einer technologischen Innovation auf kleinstem Raum. Das Celvin® ist ein neuartiges CL-Detektionssystem, das kleiner ist als Konkurrenzprodukte, finanziell erschwinglich und auch sonst noch einige Vorteile und Besonderheiten aufweist. Mixtacki zeigt damit auf, dass kleine Unternehmen ihre Vorteile als flexibler Kundenproblemlöser gezielt für Innovationen nutzen können. Celvin® entstand aus der Perspektive des Kunden, indem es hilft typische Prozessfehler zu vermeiden, die Effektivität von Labor- und Forschungsarbeit zu verbessern und zu einem attraktiven Preis angeboten wird, der es Entscheidern leicht macht. Celvin®  zielt bewusst auf eine für KMU interessante Nische und wurde auf Basis definierter „Leitplanken“ entwickelt.  Im anschließenden Betriebsrundgang mit Laborexperiment konnten sich die Besucher selbst einen Eindruck davon verschaffen, wie bei biostep unter guten Arbeitsbedingungen Innovationen entstehen und Wertschöpfung generiert wird.


Aktuelle Erkenntnisse der Forschung zum Arbeiten und Leben in einer digitalen Welt präsentierte Walter Ganz, Institutsdirektor des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) aus Stuttgart. Er sprach u.a. an, dass wir Roboter in Zukunft nicht (nur) als Werkzeuge, sondern vielmehr als Kollegen sehen sollen, mit denen wir zusammen an einem Projekt arbeiten. „Statt unablässig den Verlust der alten Industrien zu bejammern, müssen wir uns einfach dem Abenteuer stellen, neue Industrien zu entwickeln.“ Das von ihm gewählte Zitat von John Naisbitt verdeutlicht sehr gut, dass man sich auf Innovationen einfach einlassen muss. Als besonders wichtig, merkte er auch das Thema Vernetzung an. Der angestrebte Echtzeit-Informationsaustausch ermöglicht die Ressourcenteilung und Steuerung von Maschinen über Plattformen und erschließt somit Potenziale der Produktivitätssteigerung. Zugleich wies er auf das bislang weitgehend unerschlossene Potenzial der Digitalisierung von Wissensarbeit hin, welches es zu heben und zu gestalten gilt.

Prof. Angelika C. Bullinger-Hoffmann, Leitung Professur Arbeitswirtschaft und Innovationsmanagement der TU Chemnitz, beschrieb in welchem Umfeld aus Sicht der Praxisforschung Innovationen entstehen. Man benötigt etwa 2.000 Ideen, um am Ende zehn erfolgreich umgesetzte Projekte zu erhalten. Dafür braucht es Leitplanken, Flexibilität und ein geeignetes Vorgehen. Eine Möglichkeit den Innovationsprozess zu systematisieren stellt das sogenannte „Innovation Engineering“ dar. Diese softwaregestützte Methode besteht aus verschiedenen Bausteinen und Stufen zur Ideenentwicklung und Priorisierung. Somit gelingt es organisations- und unternehmensübergreifend Akteure einschl. Kunden und Partner gleichzeitig in einen technologiebasierten anonymen Entwicklungsprozess zusammenzuführen, der eine 30% höhere Ausbeute an Ideen verspricht.

Einen unkonventionellen aber sehr erfolgreichen Ansatz der Innovation stellte Dr. Steffen Leischnig, Geschäftsführer der LSA Schaltschrankbau Automatisierungstechnik, vor. Bei LSA wird weitgehend hierarchielos und projektorientiert auf Basis von Zielen gearbeitet. Nach dem Prinzip „Die Aufgabe findet den Mitarbeiter“ wird eine optimale und motivierende Stellenbesetzung angestrebt. Dies bedeutet, dass für jeden Mitarbeiter Aufgabenbereiche und Kompetenzfelder gefunden werden, die genau zu ihm passen. Für seine ca. 30 Mitarbeiter hat sich dieses Konzept als äußerst innovationsbefördernd und erfolgreich herausgestellt.

Eine abschließende Gesprächsrunde mit den anwesenden Referenten aus Wirtschaft und Wissenschaft beleuchtete die wirtschaftlichen Voraussetzungen und  Rahmenbedingungen für erfolgreiche Innovationen im  Erzgebirgskreis. Neben der demonstrierten Offenheit im Kopf bietet die hohe Dichte an Industriearbeitsplätzen eine hervorragende technologische Basis auf der Innovationen erfolgreich entstehen und verwertet werden können. Innovation wird auch in Zukunft nicht primär in der Cloud sondern am Standort entstehen. Die erfolgreiche Vermarktung und Verbreitung verlagert sich allerdings stärker auf digitale Plattformen und Geschäftsmodelle, deren Erschließung und Nutzung verstärkte IT- Kompetenzen in Unternehmen erfordern.  
Text: CS | Fotos: RT